5in1-Stichworte:
Schloss, Moor, junge Frau, Glück und Geheimnis
Danke liebe Angela, für Deine interessanten Stichworte!


Marie fuhr entspannt die Küstenstraße entlang. Die Sonnenstrahlen, die durch das offene Cabriodach schienen, erwärmten ihr die Haut, während der Wind ihre langen dunkelbraunen Haare herumwirbelte.
Links neben ihr fielen die Klippen schwindelerregend steil ins tosende Wasser des Ozeans.
Die Landschaft war atemberaubend wild.

Irlandurlaub!
So lange hatte die junge Frau auf diesen Traum gespart. Seit drei Tagen war sie nun schon unterwegs. Abends kehrte Marie in kleine Gasthöfe ein, um sich zu stärken, und die Nacht dort zu verbringen. Ganz früh schon am nächsten Morgen, brach sie dann wieder auf.
Heute würde sie allerdings die Küstenstraße verlassen. Sie hatte genug von der Weite des Ozeans, und wollte endlich mehr vom Landesinneren sehen. Als leidenschaftliche Leserin diverser Heftromane, die sich fast ausschließlich in einem unheimlichen Schloss spielten, das ein gruseliges Geheimnis barg, und meist an einem gefährlichen Moor lag, wollte Marie nun endlich selbst Teil einer solchen Geschichte werden.
Aus diesem Grund hatte Marie auch mehrere Besichtigungstouren mit Übernachtung gebucht. Nun war sie unterwegs zum ersten Schloss. Sie würde es abends erreichen, und ihre erste Gruselnacht darin verbringen. Laut mancher Rezensionen, gab es hier sogar einen hauseigenen Geist, die weiße Lady. Davon war auf der Buchungsseite des Schlosses gar nichts zu lesen gewesen.
Marie kicherte in sich hinein, während sie ihren Wagen durch die grüne Hügellandschaft lenkte.
„Natürlich … einen Hausgeist … und soooo klassisch … die weiße Frau,“ lamentierte Marie vor sich hin. „Naja, ich bin gespannt. Sollte es ein Geheimnis geben, werde ich es sicher lösen.“

Marie hatte für die Fahrt länger gebraucht als geplant. Es war schon dunkel. Blauer Nebel waberte über der Landschaft. Die Sicht war denkbar schlecht, und Marie befürchtete, sich verfahren zu haben.
Doch da entdeckte sie das Ortsschild „Blue Moor“. Marie hatte gelesen, dass die Stadt nach dem Moor benannt wurde, das sich dahinter erstreckte, und seinem, aus einem unerfindlichen Grund, bläulichen Nebel.
Dreimal übersah Marie das marode Holzschild, das die Straße zum Schloss „Blue Moor Castle“ anzeigte. Erleichtert und mit den Nerven am Ende, gab Marie Gas und fuhr die geschlängelte Straße entlang. Rechts und links erstreckte sich das kahle und düstere Moor, und der berühmte blaue Nebel waberte dicht und nahm Marie jede Sicht. Glücklicherweise war die Straße … naja, der Weg … zu beiden Seiten von Leitplanken gesäumt. Marie hatte gelesen, dass es hier schon den einen oder anderen verhängnisvollen Unfall gegeben hatte.
Und was das Moor einmal verschluckte, das gab es nicht wieder her.

Endlich erreichte Marie das Schloss. Mit zittrigen Knien und steifen Gliedern kletterte sie aus dem Mietwagen, und lehnte sich erst einmal gegen die Autotür. Tief atmete sie die kalte Luft ein, und versuchte, sich zu beruhigen. Die ganze Umgebung und die Sucherei hatten stark an ihren Nerven gezerrt, und sie mehr in Aufregung versetzt, als sie sich hätte ausmalen können.
Doch dann straffte Marie ihre Schultern, kramte ihre Reisetasche aus dem Auto und schloss das Verdeck. Eilig stieg sie die große steinerne Treppe zum Portal hinauf.

Nirgends war eine Klingel zu sehen, weswegen sie den wuchtigen Messing-Türklopfer in Form eines Bärenkopfes betätigte. Der schwere Ring schwang im Bärenmaul hervor und krachte gegen die massive Holztür. Der Schlag ließ alles erzittern. Marie zuckte zusammen, während sie unter ihrer Gänsehaut erschauerte.
Vielleicht war die Idee, in einem Schloss zu nächtigen, doch nicht so prickelnd.
Angespannt lauschte sie den Schritten, die hallend zu ihr durchdrangen.

Ein älterer Mann in einer schwarzen Livree zerrte die schwere Holztür auf.
Ein Butler, dachte sie sich und musste sich ein Kichern verkneifen. Das ist so ein Klischee.
„Mylady“, der alte Mann verneigte sich leicht. „Mein Name ist Frederic, ich hoffe sie hatten eine gute Reise.“ Ohne weitere Worte nahm er ihr die Reisetasche aus der Hand.
„Ja, äh, danke, der Nachfrage.“ Marie sah sich um, während sie dem Butler, der für sein Alter erstaunlich schnell lief, hinterhereilte.
„Sehr erfreut, das zu hören Mylady. Ich zeige ihnen nun ihr Schlafgemach. Dort können sie sich frisch machen. Die Herrschaften haben mit dem Abendessen auf sie gewartet. Ich hole sie in zehn Minuten ab.“ Frederic stellte ihre Reisetasche neben dem Bett ab, verneigte sich abermals und ließ Marie alleine.
Marie holte ihre Waschsachen aus der Tasche und eilte ins Badezimmer. Wenn die Herrschaften, also vermutlich die Familie Collins, die glücklichen Schlossbesitzer, extra auf sie warteten, dann wollte sie auch nicht länger brauchen als unbedingt nötig. Eilig machte sie sich frisch, und schlüpfte in ein leichtes, hübsches Kleid, das einem herrschaftlichen Abendessen hoffentlich würdig war.

„Wow,“ entfuhr es Marie, als Frederic sie in den Speisesaal brachte. Die Familie Collins hatte sich richtig in Schale geworfen, und sich um einen wunderschönen, prunkvoll gedeckten Tisch versammelt. Das Porzellan sah sehr teuer aus, die Kerzenleuchter wirkten golden, und die Kristalltropfen daran glitzerten prunkvoll. Das Besteck schien aus echtem Silber zu sein, und war ausreichend um ihren Teller verteilt aufgereiht.
Mist, ich hätte mich noch schlau lesen sollen, wofür die vielen Messer, Gabeln und Löffel an einer solchen Tafel gut sind, dachte Marie entsetzt. Sie war sich jetzt schon sicher, dass sie sich richtig blamieren würde.

Frederic führte Marie an den einzigen leeren Platz am Tisch, stellte Marie seinen Herrschaften vor, rückte ihr den Stuhl zurecht und eilte davon um das Essen zu servieren.
„Ha-hallo“, begrüßte Marie alle Anwesenden. Sie war peinlich berührt, weil alle sie neugierig anstarrten. Die schweigsamen Menschen um sie herum, das düstere Ambiente und der Nebel, den sie durch die hohen Fenster sehen konnte, sorgten dafür, dass sie sich unwohl fühlte. Ein leichter, aber eiskalter Luftzug erfasste sie, und ließ die Kerzen aufflackern. Erschrocken sah Marie sich um. Frederic war durch eine Seitentür, die Marie noch gar nicht bemerkt hatte, hereingekommen. Gemeinsam mit einem Dienstmädchen servierte er das Essen.
Außer der mageren Begrüßung beim Hereinkommen, sprach niemand mit ihr.
Niemand fragte etwas, niemand sagte etwas, niemand erklärte etwas. Das Essen lief total schweigsam ab.

Marie fühlte sich immer unwohler. Verunsichert sah sie auf die lecker duftende Suppe vor sich und auf das viele Besteck rund um ihren Teller. Zum Glück war nur ein Suppenlöffel da. Zögernd griff sie danach.
Die alte Frau neben Marie beugte sich zu ihr hinüber.
„Von außen nach innen Schätzchen. Dann kannst du nichts falsch machen.“ Ihrem Flüstern folgte ein Lächeln, und ein schelmisches Zwinkern.

Ein Gang nach dem anderen wurde aufgetragen, und Marie hielt sich an die Regel ihrer Tischnachbarin. Das Essen war köstlich. Doch das Schweigen am Tisch machte sie unruhig. Glücklicherweise würde sie morgen schon wieder abreisen.
Nach dem Abendmahl zogen sich alle eilig zurück, fast so, als wären sie auf der Flucht vor Marie. Mehr als das eine oder anderen unterkühlte „Gute Nachtruhe“ bekam Marie nicht zu hören. Sie war maßlos enttäuscht. Hatte sie doch gehofft, dass sie mehr über das Schloss und die weiße Lady erfahren könnte.
Doch Frederic, die gute Seele, war für sie da. „Mylady, soll ich sie in ihr Schlafgemach bringen, oder wollen sie das Schloss besichtigen?“
Erleichtert nickte Marie. „Danke, ich würde so gerne mehr vom Schloss sehen. Vielleicht haben sie ja noch ein paar Geschichten und Informationen für mich.“ Verschwörerisch zwinkerte Marie ihm zu.
„Aber gewiss, Mylady. Folgen sie mir.“

Frederic führte Marie kreuz und quer durch das weitschweifige Anwesen, und erzählte über die Architektur und die Vorbesitzer, die allesamt von hohem Adel waren. Marie war auch sehr interessiert, aber natürlich lauerte sie auf Informationen über die weiße Lady.

Es war schon nach elf Uhr abends, als Frederic und Marie wieder im Eingangsbereich angekommen waren.
„Ich hoffe, die Führung war zu ihrer vollsten Zufriedenheit Mylady. Falls sie noch Fragen haben, dann wäre jetzt ein guter Zeitpunkt.“
„Das Schloss ist wundervoll und in einem erstaunlichen guten Zustand. Wunderschön“, schwärmte Marie, „aber eine Frage hätte ich schon noch. Ich würde so gerne etwas über die weiße Lady hören.“ Marie hoffte, dem Butler ein paar Informationen entlocken zu können. Doch ihre Hoffnung schwand, als dieser ganz blass wurde, und sich mehrmals bekreuzigte.
„Es gibt hier keine weiße Lady“, murmelte er hektisch, „ganz gewiss nicht.“ Gehetzt sah er sich um. „Mylady, ich bringe sie nun in ihr Schlafgemach.“
Frederic schritt weit aus und eilte die Treppe hinauf. Marie hatte Mühe, ihm hinterher zu kommen. Auch wenn es ihr unter den Nägeln brannte, sie wagte es nicht, noch einmal nach der weißen Lady zu fragen.

Vor Maries Zimmertür blieb er stehen. „Halten sie die Tür nachts geschlossen, Mylady. Ich wünsche ihnen eine erholsame Nachtruhe.“ Mit diesen Worten wollte er sich abwenden, doch, Marie hielt ihn zurück.
„Warum soll ich die Türe geschlossen halten?“ Sie fühlte sich ganz und gar nicht mehr wohl in ihrer Haut.
Frederic sah sich erneut um.
„Nun Mylady, weil es zugig ist hier im Schloss. Ich möchte nicht, dass sie sich verkühlen. Bitte lassen sie ihre Tür nachts geschlossen.“ Frederic sah sie noch einmal eindringlich an, bevor er sich abwand und in der Dunkelheit verschwand.
Marie riss ihre Zimmertür auf, sprang hinein und schloss sie eilig hinter sich. Ihr Herz klopfte schnell. Sie hatte Angst. Zitternd schob sie den Riegel vor, und ging langsam rückwärts von der Tür weg, bis sie an das Bett stieß. Seufzend ließ sich darauf plumpsen.
Wo war sie da nur hingeraten?

„Jetzt reiß dich mal zusammen“, schimpfte Marie mit sich selbst. „Hier leben so viele Menschen. Was kann dir schon passieren?“
Langsam beruhigte sie sich wieder, ging ins Badezimmer, duschte, und schlüpfte in bequeme Schlafkleidung. Innerlich nur noch leicht aufgewühlt ließ sie sich ins Bett fallen. Sie würde sich gleich schlafen legen, damit sie morgen ganz früh abreisen konnte.
Der Aufenthalt hier war gar nicht so, wie sie sich das vorgestellt hatte.
Marie machte es sich im Bett gemütlich und kuschelte sich in die Decke. Das Nachtlicht ließ sie an. Müde glitt sie in einen leichten Schlaf.

Maries wenig erholsamer Schlaf dauerte nicht lange an. Sie wurde kurze Zeit später von einem Geräusch aus dem Schlaf gerissen. Panisch sah sie sich um, und sie versuchte sich zu orientieren.
Das Nachtlicht war aus.
Warum war das Nachtlicht aus?
Sie hatte es doch brennen lassen, oder etwa nicht?
Verwirrt tastete sie auf dem Nachttisch nach dem Schalter der Lampe. Erleichtert stellte sie fest, dass das Licht sofort aufflammte, und sie beruhigte sich wieder.
„Tja, du wolltest doch Geheimnisse und Abenteuer. Das hast du jetzt davon“, vertrieb sie die unheimliche Stille im Zimmer, und sie legte sich wieder ins Bett. An Schlaf war nun allerdings gar nicht mehr zu denken.
Maries Sinne waren hellwach und sie lauschte in die Umgebung. Immer wieder hörte sie Geräusche, die sie zu Tode erschreckten. Doch ihr war bewusst, dass es in so einem alten Schloss nun einmal Geräusche Gab, die sie nicht zuordnen konnte.

Gerade war Marie bereit, es noch einmal mit Schlaf zu versuchen, als ein lautes Poltern direkt vor ihrer Tür sie aus dem Bett hochschrecken ließ. Hyperventilierend stand sie auf der Matratze, immer noch nachwippend und um Balance bemüht. Mit weit aufgerissenen Augen starrte auf die Tür. Die Klinke bewegte sich. Marie schlug sich die Hand vor den Mund um einen Schrei zu unterdrücken. Glücklicherweise lag der Riegel davor und die Türe öffnete sich nicht. Schlurfende Schritte entfernten sich. Dann ertönte ein klagender, langgezogener Seufzer.
Marie schluckte das trockene Gefühl in ihrem Mund herunter, griff nach dem schweren Kerzenständer auf dem Nachttisch der anderen Bettseite, und tapste zur Tür. Panik und Neugier wechselten sich ab, während sie ihren ganzen Mut zusammenkratzte. Sie wollte nur kurz schauen, und dann die Türe gleich wieder verschließen.
Es dauerte eine Weile, bis sie sich durchringen konnte, den Riegel zurück zu ziehen. Sie öffnete die Tür erst einen Spalt, und lugte hinaus. Nichts war zu sehen. Langsam öffnete sie die Tür ein Stück weiter und sah rechts und links den Flur hinunter. Erleichtert stellte sie fest, dass sich auch hier niemand herumtrieb.
Marie wollte gerade wieder zurück ins Zimmer gehen, als sie aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahrnahm. Links, wo der Flur um eine Ecke bog, waberte blauer Nebel. Marie wurde blass, und umklammerte den Kerzenständer. Dann waren schlurfende Schritte zu hören.
Marie wusste, dass sie besser zurück in ihr Zimmer gehen und den Riegel vorschieben sollte. Doch, sie war zu keiner Regung fähig. Wie festgewachsen blieb sie stehen, starrte auf den Nebel und lauschte den Schritten, die immer näher kamen.
Dann bog sie um die Ecke, vom blauen Nebelwaben umgeben – die weiße Lady.
Marie konnte sie nicht genau erkennen. Sie wirkte schemenhaft und durchscheinend. Trotzdem waren ihre Bewegungen und ihre Schritte auf dem Boden real.
Das war mehr als Marie ertragen konnte. Schreiend rannte sie in ihr Zimmer, warf die Türe ins Schloss und schob den Riegel vor. Mit wenigen Schritten hatte sie das angrenzende Badezimmer erreicht, und sie schloss sich darin ein. So stand sie eine Weile im Badezimmer und wusste nicht was sie tun sollte.

Ein leises klopfen schreckte Marie auf. „Mylady? Ist alles in Ordnung?“ Es war Frederics Stimme. Er stand vor ihrer Zimmertür und schien besorgt zu sein.
Marie wagte sich wieder aus ihrem Badezimmer und ließ Frederic eintreten.
„Ich habe sie gesehen. Es gibt sie wirklich. Die weiße Lady.“ Marie stürzte sich regelrecht in seine Arme und suchte Schutz.
„Aber Mylady, es gibt keine weiße Lady hier. Sicher haben sie nur geträumt.“ Väterlich tätschelte er ihr den Kopf und die Schulter, aber Marie schüttelte den Kopf.
„Nein, ich habe nicht geträumt. Ich war wach. Ich habe sie gesehen. Sie war umgeben von blauem Nebel.“
„Der blaue Nebel,“ murmelte Frederic und sah sich wieder um. „Mylady, schließen sie die Türe hinter sich und bleiben sie in ihrem Zimmer. Hier kann ihnen nichts geschehen. Ich werde nachsehen, ob nicht ein Fenster offen steht. Der blaue Nebel findet manchmal einen Weg ins Schloss.“ Mit diesen Worten verließ er eilig ihr Schlafzimmer.

Marie wollte nicht alleine sein, aber sie wollte Frederic auch nicht hinterhereilen. Er hatte sich ausgerechnet in die Richtung entfernt, aus der der Nebel und die Schritte gekommen waren.
Also sperrte sie sich wieder ein.

Frederic kam nicht wieder, und Marie fiel irgendwann in einen unruhigen Schlaf.
Glücklicherweise passierte nichts mehr.

Am nächsten Morgen war Marie früh wach. Sie fühlte sich wie gerädert. Eilig packte sie ihre wenigen Habseligkeiten zusammen und machte sich auf den Weg nach unten in die Eingangshalle. Sie würde das Schloss sofort verlassen. Nicht eine Minute wollte sie noch bleiben.
Aber von Frederic wollte sie sich gerne noch verabschieden. Irgendwie mochte sie ihn. Doch sie konnte ihn weder im Speisezimmer noch in der Küche finden.
Ein leises Lachen erregte ihre Aufmerksamkeit. Dann drangen ein paar Wortfetzen an ihre Ohren und wieder ein leises Lachen. Marie machte die Geräusche im Salon aus. Frederic hatte sie gestern auch dorthin geführt, und sie hatte den prunkvollen und geschmackvoll eingerichteten Raum lange bewundert.
Zaghaft öffnete Marie die Tür, und sofort verstummten alle Gespräche. Die ganze Familie war versammelt. Doch keiner von ihnen war noch genauso elegant gekleidet wie am Vorabend. Der junge, grantig dreinblickende Mann vom Vorabend, dem sie am Tisch gegenübergesessen hatte, kam in Jeans und T-Shirt, mit einem strahlenden Lächeln auf sie zu.
„Marie, sie sind ja schon wach. Jetzt haben sie uns tatsächlich erwischt und unser Geheimnis schon vorzeitig gelüftet.“
Marie wusste gar nicht, wie ihr geschah, als er sie in den Salon zog, und alle um sie herum sie anlächelten und ihr auf die Schulter klopften.
„Sie haben sich wirklich gut geschlagen Marie“, lachte eine Frau mittleren Alters, die ihr wunderschönes Cocktailkleid vom Vorabend gegen Jeans und einen Rollkragenpullover eingetauscht hatte.
„Äh was?“, piepste Marie.
„Oh bitte, Onkel Fred, kläre die junge Dame auf.“ Lächelnd nippte die Frau an ihrem Kaffeebecher.
Unbemerkt war Frederic neben Marie aufgetaucht. Das Livree hatte er gegen eine Cordhose und ein kariertes Baumwollhemd eingetauscht.
„Frederic?“, fragte Marie ungläubig. „Was ist hier los?“
„Nun ja, Marie, sie hatten in ihrer Buchung erwähnt, dass sie schon immer einmal eine Nacht in einem Gruselschloss verbringen wollten. Und der Wunsch unserer Kunden ist uns Befehl.“ Er lachte vergnügt.
Es dauerte einen kurzen Moment, bis Marie verstand, dass sie einem Schauspiel zum Opfer gefallen war. Erleichtert stimmte sie in sein Lachen ein.
„Sie haben auf ihrer Internetseite nicht mit Gruselambiente geworben.“ Kopfschüttelnd gluckste sie.
„Na, das macht es ja so spannend. Es reichen die Rezensionen derer, die auch eine Gruselnacht hatten. Gruselfans finden das interessant, weil es auf der Internetseite nicht erwähnt wird. Ein Geheimnis, das bewusst verschwiegen wird. Doch, nicht jeder bucht Gruselurlaub. Manche wollen ein paar romantische Tage hier verbringen, und wieder andere sind eher an der Architektur, der Geschichte oder der Umgebung interessiert.“
Marie sah alle nacheinander an. Es war alles gut durchgeplant. Die kalte Atmosphäre am Tisch, die Reaktion des Butlers auf die weiße Lady, die Bitte um das geschlossen halten der Tür. All das sollte dafür sorgen, dass ihre Nerven blank gelegen hatten.
„Ja, und dann reicht schon ein klein wenig Nebel aus der Nebelmaschine und eine verrückte alte Oma in ihrem weißen Nachthemd und dem Rüschenmützchen, damit die mutigen Schlossbesucher panisch aus den Latschen kippen.“ Die alte Frau, die ihr am Tisch mit dem Besteck geholfen hatte, kicherte. „Wir haben sie sowas von dran gekriegt, Marie!“ Sie zwinkerte Marie zu und reichte ihr eine Tasse Kaffee. „Trinken sie einen Schluck Schätzchen. Sie sehen aus, als könnten sie ihn brauchen.“

All die Anspannung, Angst und Panik fielen auf einmal von Marie ab, und die Erleichterung ließ sie auflachen, als hätte sie den Verstand verloren. Doch, schnell beruhigte sie sich wieder, und griff nach der dargebotenen Kaffeetasse.
„Mensch, ihr seid wirklich gut. Ich hab euch alles abgenommen, wirklich alles. Was für ein Glück, dass ich nicht in einer Nacht und Nebel Aktion aus dem Schloss geflohen bin.“ Grinsend schüttelte Marie den Kopf. „Glück war auch, dass ich ausgerechnet hier gebucht habe. Diese Nacht werde ich nie vergessen.“ Marie lacht auf.
„Gut, dann vergessen sie die Bewertung nicht … aber bitte verraten sie unser Geheimnis nicht. Wir wollen anderen Urlaubern doch nicht die Spannung und den Spaß verderben, oder?“ Frederic zwinkerte Marie lächelnd zu, bevor sich alle am Frühstückstisch versammelten.

Ende


Spannender Gruselwusel, mit den Stichworten einer begeisterten Heftchen-Roman-Leserin.
Hast Du auch 5 Stichworte für mich, aus der ich Dir eine Geschichte basteln soll?
Dann immer her damit!
Ich bin schon ganz gespannt.

Alles Liebe
Deine Lisa


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Foto: Pixabay
Bearbeitet mit Cartoon Pictures

© Lille Larsen – www.lillemorlisalarsen.com

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